„Als der Mond vom Himmel fiel“

 Anja Jardine erster Erzählungsband

Eine nicht mehr junge Frau hat eine Affäre mit einem Theaterregisseur. Wochen nachdem die beiden sich getrennt haben, sitzt die Frau in einem Hotelzimmer und weint wie seit Jahrzehnten nicht. Der alte Vorarbeiter einer Apfelplantage beobachtet, wie ein Paar ihre Liebe aus Feigheit zerstört und begreift, dass er vor Jahrzehnten ähnlich feige ein mögliches Glück verspielte. Eine Schülerin entdeckt, dass ihr Lehrer hinter der Fassade des genialischen Pädagogen eine lähmende, verzweifelte Einsamkeit verbirgt. In Anja Jardines Erzählungen geht es vorzugsweise um die verpasste Liebe, das versäumte Leben. Sie sind von hoher psychologischer Intensität und großer sprachlicher Eleganz. Anja Jardine gehört zu den besten Reporterinnen im deutschen Sprachraum. Sie ist eine Virtuosin darin, aus unspektakulären Stoffen, spektakulär schöne Geschichten zu machen. Wie sie in diesem ersten Erzählungs-Band die Fassungslosigkeit einfängt, die einen angesichts des unwiderruflich Verfehlten überfallen kann, ist hinreißend.

Amja Jardine: „Als der Mond vom Himmel fiel“. Erzählungen Verlag Kein & Aber, Zürich 2008 302 Seiten, 18,90 €

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